AVGS beantragen: vorbereitet, nicht allein
Der Termin beim Amt macht vielen Bauchweh. Verständlich. Viele trauen sich nicht, nach dem Gutschein zu fragen. Du darfst das. Ich zeige dir, wie.
Stand: 17. September 2026 · § 45 SGB III · § 16 SGB II · § 84 SGG · Geschrieben von Daniel Kuhlen (wer das ist und wovon er lebt)

Warte nicht, bis das Amt dir den Gutschein anbietet. Frag selbst danach.
Nimm zwei Blätter mit: deine Begründung und das Angebot des Anbieters. Beides bekommst du von mir.
Das Amt entscheidet. Sagt es Nein, kannst du dich wehren. Wie das geht, steht unten.
Sechs Schritte zum Gutschein
- Melde dich beim Amt
Du bist arbeitslos gemeldet, bekommst Grundsicherung (früher Bürgergeld) oder hast eine Kündigung und bist arbeitsuchend gemeldet. Eins davon muss zutreffen. Noch nirgends gemeldet? Dann ist die Meldung der erste Schritt. Ohne sie gibt es keinen Zugang zu § 45 SGB III. - Schreib auf, wohin du willst
Nicht „Ich möchte ein Coaching“, sondern was danach anders ist. „Ich bewerbe mich seit sieben Monaten ohne Einladung und brauche Hilfe bei Unterlagen und Gesprächen“ ist ein Grund. „Ich möchte mich weiterentwickeln“ ist keiner. - Nimm zwei Blätter mit
Deine Begründung: eine halbe Seite. Wo du stehst, was bisher nicht geklappt hat, was das Coaching daran ändert, welches Ziel danach drin ist. Dazu das Angebot des Coaching-Anbieters (im Amt: Maßnahmeangebot) mit Inhalt, Umfang, Dauer, Maßnahmenummer und Trägernummer. Ohne die Nummern findet dein Berater das Coaching nicht im System. Und was er nicht findet, kann er nicht bewilligen. - Sag den Satz
Im normalen Termin, nicht per Post. Nenn dein Ziel und frag direkt nach dem Gutschein. Zum Beispiel: „Ich möchte wieder arbeiten, mir fehlt aber X. Können Sie mir dafür einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein für ein Coaching ausstellen?“ Den Anbieter suchst du dir aus, nicht dein Berater (§ 45 Abs. 4 SGB III). Ist dein nächster Termin erst in acht Wochen, bitte um einen früheren und nenn den Grund. - Lass dir das Nein schriftlich geben
Sagt das Amt Nein, bitte um den Brief dazu (im Gesetz: Bescheid). Erst damit kannst du dich wehren, und zwar einen Monat lang (§ 84 SGG). Wie das geht, steht unter Das Amt hat Nein gesagt? - Gib den Gutschein beim Anbieter ab
Der Gutschein ist befristet, das Datum steht darauf. Bis dahin muss er beim Anbieter liegen. Fertig sein muss das Coaching bis dahin nicht. Nur der Gutschein muss abgegeben sein.
Drei Fehler, die den Termin kosten können
1. Das Wort „Kurs“
Ein Kurs klingt nach Weiterbildung. Und die läuft über den Bildungsgutschein nach § 81 SGB III, nicht über den AVGS. Dein Berater denkt dann an das falsche Verfahren. Sag lieber Coaching. Im Amt heißt das „Maßnahme“. Der AVGS ist kein Bildungsgutschein. Er bezahlt ein Coaching, keine Umschulung und keinen Abschluss.
2. Nach dem Gutschein fragen, ohne ein Ziel zu nennen
„Kann ich einen AVGS bekommen?“ lädt zu einem Nein ein. Sag zuerst, wohin du willst und was dir dafür fehlt. Dann frag direkt nach dem Gutschein, wie im Satz oben. Der Gutschein ist das Mittel, nicht das Ziel.
3. Ohne Angebot kommen
Ohne Maßnahmenummer bleibt alles vage. Dein Berater müsste selbst suchen und vertagt dann lieber. Besorg dir das Angebot deshalb vorher. Es kann den Termin entscheiden.
Wenn das Amt Nein sagt
Ein Nein muss nicht das Ende sein. Gegen den schriftlichen Bescheid (den Brief mit dem Nein) kannst du dich innerhalb eines Monats wehren. Im Gesetz heißt das Widerspruch (§ 84 SGG). Manchmal fehlt der Akte nur die Begründung. Die kannst du nachreichen. Wie das geht, steht unter Das Amt hat Nein gesagt?
Deine Fragen
Kann ich den Gutschein online beantragen?
Nein. Online gibt es den Gutschein nicht. Dein Berater beim Amt (dort heißt er Vermittlungsfachkraft) stellt ihn im Gespräch aus. Das Gespräch kann vor Ort, am Telefon oder per Video sein. Online kannst du nur um einen Termin bitten oder deinem Berater eine Nachricht schreiben.
Wie lange dauert es, bis der Gutschein da ist?
Das ist unterschiedlich. Manchmal stellt dein Berater den Gutschein gleich im Termin aus, manchmal prüft das Amt erst noch. Fällt im Termin keine Entscheidung, frag, wann du Bescheid bekommst, und lass dir den nächsten Termin geben. Sobald der Anbieter den Gutschein hat, kann das Coaching starten.
Brauche ich schon einen Anbieter, bevor ich hingehe?
Nicht zwingend, aber es hilft sehr. Dein Berater muss begründen, warum das Coaching dir hilft, wieder Arbeit zu finden. Ein Angebot mit Maßnahmenummer, Inhalt und Dauer macht das prüfbar. Ohne Angebot bleibt deine Bitte vage und wird eher vertagt.
Was muss ich mitbringen?
Deine Begründung (eine halbe Seite) und das Angebot eines zugelassenen Coaching-Anbieters mit Maßnahmenummer. Beides bekommst du von mir, wenn du möchtest. Deinen Lebenslauf nimmst du am besten auch mit.
Darf ich mir den Anbieter selbst aussuchen?
Ja. Genau dafür ist der Gutschein da: Er lässt dich nach § 45 Abs. 4 SGB III unter den zugelassenen Anbietern wählen. Die Wahl triffst du, nicht dein Berater.
Mein Berater kennt den Gutschein nicht. Was dann?
Das kann vorkommen. Nenn das Gesetz: § 45 Abs. 1 Nr. 1 SGB III, beim Jobcenter zusammen mit § 16 Abs. 1 SGB II. Und leg das Angebot mit der Maßnahmenummer vor. Dann findet dein Berater den Vorgang im System.
Weiterlesen
Das Amt entscheidet. Ich bereite dich vor.
Ob du den Gutschein bekommst, entscheidet allein die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter. Ein Ja im Voraus kann dir niemand geben.
Was ich tun kann: mit dir schauen, ob es passt, und dir die Unterlagen für den Termin schreiben.
Fester Job, keine Kündigung und kein Geld vom Amt? Dann gibt es den Gutschein nicht. Das sage ich dir lieber gleich.
Der erste Schritt dauert zwei Minuten.
Sag mir, wo du stehst. Wenn du möchtest, rufe ich dich an, ehrlich und ohne Druck. Für dich kostet das nichts. Du musst da nicht allein durch.
Ob du den Gutschein bekommst, entscheidet allein die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter. Dein AVGS ist kein Amt und arbeitet unabhängig.
Was das Amt für dich bezahlen kann
Die Hilfen auf einen Blick. Zu jeder: wer zahlt und woran es hängt.
- Ein Coach nur für dich. Kann über den Gutschein vom Amt bezahlt werden.
- Geld für Bewerbungen. Fotos, Führungszeugnis, Übersetzungen: Das Amt kann Kosten übernehmen.
- Fahrt zum Vorstellungsgespräch. Bus, Bahn oder Auto: Das Amt kann die Kosten übernehmen.
- Führerschein, im Einzelfall. Wenn du ihn für eine bestimmte Stelle brauchst und kein Bus fährt.
- Weiterbildung oder Umschulung. Mit dem Bildungsgutschein, beim Berufsabschluss sogar mit Anspruch.
Die Liste kommt von Dein AVGS (Daniel Kuhlen, deinavgs.de), nicht vom Amt. Ob du eine Hilfe bekommst, entscheidet allein die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter. Dein AVGS ist kein Amt und arbeitet unabhängig.