AVGS beim Jobcenter: Grundsicherung (früher Bürgergeld) ist nicht das Ende
Grundsicherung heißt nicht, dass nichts mehr geht. Auch das Jobcenter kann dir den Gutschein geben. Der Weg ist nur ein anderer. Hier steht er.
Stand: 17. September 2026 · § 16 SGB II · § 15 SGB II · § 3a SGB II · § 45 SGB III · Keine Rechtsberatung · Geschrieben von Daniel Kuhlen (wer das ist und wovon er lebt)

Es ist derselbe Gutschein wie bei der Agentur für Arbeit.
Du fragst die Person, mit der du deinen Plan besprichst.
Das Jobcenter entscheidet. Mit deiner Begründung machst du ihm das Ja leichter.
Viele Menschen ohne Job werden vom Jobcenter betreut, nicht von der Arbeitsagentur. In Essen zum Beispiel sind von 35.493 Menschen ohne Job 26.867 beim Jobcenter. Das sind 76 von 100 (Bundesagentur für Arbeit, Stand September 2026). Für sie gilt der Gutschein genauso. Nur führt der Weg über einen Verweis im Gesetz.
Was beim Jobcenter anders läuft
| Agentur für Arbeit (Arbeitslosengeld) | Jobcenter (Grundsicherung) | |
|---|---|---|
| Weg im Gesetz | § 45 SGB III direkt | § 45 SGB III über § 16 Abs. 1 SGB II |
| Dein Plan mit dem Amt | Eingliederungsvereinbarung nach § 37 SGB III | Kooperationsplan nach § 15 SGB II |
| Topf für Hilfen | Eingliederungstitel der Agentur | Eingliederungstitel des Jobcenters |
| Gleich bleiben: Kosten (keine für dich), freie Wahl des Anbieters, Zulassung (AZAV), Befristung des Gutscheins, Frist für den Widerspruch. | ||
Dein Plan mit dem Amt ist der Hebel
Seit dem Bürgergeld-Gesetz heißt § 15 SGB II „Potenzialanalyse und Kooperationsplan“. Der Kooperationsplan (dein Plan mit dem Amt) hat die frühere Eingliederungsvereinbarung abgelöst. Er wird gemeinsam mit dir erstellt. Laut Gesetz soll er nennen, wohin du willst, was du selbst tust und welche Hilfen dazu passen.
Genau dort gehört ein Coaching hinein, und zwar schon wenn der Plan entsteht, nicht erst in einem eigenen Antrag danach. Was im Plan als vereinbarte Hilfe steht, gilt schon als sinnvoll. Was danach kommt, muss erst wieder begründet werden.
Nimm den Plan ernst. Hältst du vereinbarte Schritte nicht ein, kann dich das Jobcenter seit Juli 2026 schriftlich verpflichten, etwa zu Bewerbungen oder zu einer Maßnahme (§ 15a SGB II). Bring deshalb nur ein, was du wirklich machen willst.
Der Satz, der in den Plan gehört
Nicht „Teilnahme an einem Coaching“, sondern ein Satz mit Ziel und Weg. Zum Beispiel: „Zur Verbesserung der Bewerbungsunterlagen und zur Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche nehme ich an einer Maßnahme nach § 45 Abs. 1 Nr. 1 SGB III bei einem zugelassenen Träger teil.“
Das ist prüfbar, hat ein Ziel und passt in die Akte. „Ich möchte mich weiterentwickeln“ passt in keine.
Was vorher passiert: wo du stehst
§ 15 SGB II sieht vor, dass das Jobcenter „unverzüglich“ feststellt, was du kannst, was du mitbringst und was dich gerade bremst. Im Gesetz heißt das Potenzialanalyse. Im Alltag ist das ein Gespräch, in dem Hindernisse offen angesprochen werden.
Das ist kein Verhör, sondern deine Gelegenheit. Was dich bremst, nennt das Gesetz Vermittlungshemmnis: eine lange Lücke im Lebenslauf, ein Wechsel in eine andere Branche, ein unklares Profil oder schlechte Erfahrungen im Vorstellungsgespräch. Genau dafür gibt es § 45 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SGB III. Dort stehen Heranführung an den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt und Feststellung, Verringerung oder Beseitigung von Vermittlungshemmnissen zusammen in einer Nummer.
Drei Dinge, die du wissen solltest
Erst schaut das Jobcenter, ob eine Stelle passt. Seit Juli 2026 prüft es zuerst, ob es dich direkt vermitteln kann (§ 3a SGB II). Ein Coaching ist trotzdem möglich, wenn es dich eher in eine dauerhafte Arbeit bringt als eine direkte Vermittlung. Bei Menschen unter 30 nennt das Gesetz diese Ausnahme ausdrücklich. In deine Begründung gehört deshalb, warum dir das Coaching auf Dauer mehr bringt.
Der Topf ist begrenzt. Das Jobcenter hat für Hilfen wie Coachings nur eine bestimmte Summe im Jahr. Das darf dein Berater berücksichtigen. Es ist aber kein Grund, deinen Fall nicht anzusehen. Sagt er pauschal Nein, lies weiter unter Das Amt hat Nein gesagt?
Den Anbieter wählst du selbst. Nach dem Gutschein fragst du freiwillig, und du gibst ihn bei einem Anbieter deiner Wahl ab. Eine Zuweisung ist etwas anderes: Da sucht das Jobcenter die Maßnahme für dich aus. Auch dann darfst du fragen, ob stattdessen der Gutschein möglich ist.
Deine Fragen
Gibt es den Gutschein auch beim Jobcenter?
Ja. Nach § 16 Abs. 1 SGB II kann das Jobcenter auch das Coaching nach § 45 SGB III bezahlen. Rechtlich ist es derselbe Gutschein. Nur sitzt dein Berater beim Jobcenter.
Was ist der Kooperationsplan?
Dein Plan mit dem Amt. Seit dem Bürgergeld-Gesetz heißt § 15 SGB II „Potenzialanalyse und Kooperationsplan“. Der Plan hat die frühere Eingliederungsvereinbarung abgelöst und wird gemeinsam mit dir erstellt. Er nennt, wohin du willst, was du selbst tust und welche Hilfen dazu passen. Genau dort gehört ein Coaching hinein.
Muss das Coaching in meinem Plan stehen?
Vorgeschrieben ist das nicht. Aber es hilft: Was im Plan als vereinbarte Hilfe steht, gilt schon als sinnvoll. Bringst du den Wunsch gleich ein, wenn der Plan entsteht, kann er von Anfang an drinstehen. Ob es ein Ja gibt, entscheidet trotzdem das Jobcenter.
Ich stocke auf. Bekomme ich den Gutschein trotzdem?
Das ist möglich. Bekommst du Grundsicherung, auch zusätzlich zu deinem Lohn, läuft der Gutschein über § 16 Abs. 1 SGB II beim Jobcenter. Bekommst du dagegen Arbeitslosengeld und stockst mit Grundsicherung auf, ist die Agentur für Arbeit dafür zuständig. Ob es ein Ja gibt, entscheidet das Amt im Einzelfall.
Kürzt das Coaching meine Grundsicherung?
Nein. Das Coaching wird aus dem Topf des Jobcenters für Hilfen bezahlt (Eingliederungstitel), nicht aus deinem Regelbedarf. Der Gutschein ist kein Geld an dich und wird nicht als Einkommen angerechnet. Brich das Coaching aber nicht ohne wichtigen Grund ab. Dann kann das Jobcenter deine Grundsicherung kürzen (§ 31 SGB II).
Mein Jobcenter kennt den Gutschein nicht. Was dann?
Das kann vorkommen. Im SGB II steht der Gutschein nicht selbst, er läuft über einen Verweis in § 16 SGB II. Nenn beide Paragrafen: § 45 Abs. 1 Nr. 1 SGB III zusammen mit § 16 Abs. 1 SGB II. Und leg das Angebot mit der Maßnahmenummer vor. Dann findet dein Berater den Vorgang im System.
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Das Amt entscheidet. Ich bereite dich vor.
Ob du den Gutschein bekommst, entscheidet allein die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter. Ein Ja im Voraus kann dir niemand geben.
Was ich tun kann: mit dir schauen, ob es passt, und dir die Unterlagen für den Termin schreiben.
Fester Job, keine Kündigung und kein Geld vom Amt? Dann gibt es den Gutschein nicht. Das sage ich dir lieber gleich.
Der erste Schritt dauert zwei Minuten.
Sag mir, wo du stehst. Wenn du möchtest, rufe ich dich an, ehrlich und ohne Druck. Für dich kostet das nichts. Du musst da nicht allein durch.
Ob du den Gutschein bekommst, entscheidet allein die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter. Dein AVGS ist kein Amt und arbeitet unabhängig.
Was das Amt für dich bezahlen kann
Die Hilfen auf einen Blick. Zu jeder: wer zahlt und woran es hängt.
- Ein Coach nur für dich. Kann über den Gutschein vom Amt bezahlt werden.
- Geld für Bewerbungen. Fotos, Führungszeugnis, Übersetzungen: Das Amt kann Kosten übernehmen.
- Fahrt zum Vorstellungsgespräch. Bus, Bahn oder Auto: Das Amt kann die Kosten übernehmen.
- Führerschein, im Einzelfall. Wenn du ihn für eine bestimmte Stelle brauchst und kein Bus fährt.
- Weiterbildung oder Umschulung. Mit dem Bildungsgutschein, beim Berufsabschluss sogar mit Anspruch.
Die Liste kommt von Dein AVGS (Daniel Kuhlen, deinavgs.de), nicht vom Amt. Ob du eine Hilfe bekommst, entscheidet allein die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter. Dein AVGS ist kein Amt und arbeitet unabhängig.