AVGS-Glossar: die Wörter aus dem Amt
Sechzehn Wörter, die beim Amt fallen. Damit du nicht nicken musst, wenn du eigentlich fragen willst. Jedes kurz erklärt.
Stand: 17. September 2026 · § 45 SGB III · § 15 SGB II · § 16 SGB II · § 84 SGG · AZAV · Keine Rechtsberatung · Geschrieben von Daniel Kuhlen (wer das ist und wovon er lebt)

Jeder Begriff in Alltagssprache, dazu der Paragraf, wo es einen gibt.
Zum Nachschauen im Termin, auch am Handy.
Fehlt eins? Schreib mir.
Die sechzehn Wörter
AVGS (Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein)
Der Gutschein vom Amt, mit dem es dir einen Coach bezahlen kann. Er steht in § 45 SGB III, kommt von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter und lässt dich den zugelassenen Anbieter selbst aussuchen. Für dich kostenlos. Bezahlt wird über den Gutschein.
AZAV (Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung)
Die Verordnung, nach der Anbieter und Coachings zugelassen werden. Den Gutschein kannst du nur bei einem zugelassenen Anbieter abgeben. Die Zulassung erteilt nicht die Bundesagentur, sondern eine fachkundige Stelle.
Fachkundige Stelle
Ein privates Unternehmen, das Anbieter und Coachings nach der AZAV prüft und zulässt. Es gibt über 30 davon. Sie brauchen selbst eine Akkreditierung durch die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS).
Trägernummer
Die Nummer des Coaching-Anbieters beim Amt. Sie steht auf dem Angebot und macht den Anbieter für deinen Berater im System auffindbar.
MAT (Maßnahme bei einem Träger)
Der Normalfall: Du löst den Gutschein bei einem zugelassenen Anbieter ein, zum Beispiel für ein Coaching für Bewerbung und Beruf. Im Gesetz steht diese Variante in § 45 Abs. 4 Satz 3 Nr. 1 SGB III.
MPAV (Maßnahme bei einem privaten Arbeitsvermittler)
Ein privater Vermittler sucht dir einen Job und wird nur bezahlt, wenn es klappt. Im Gesetz steht diese Variante in § 45 Abs. 4 Satz 3 Nr. 2 SGB III. Nur dafür gibt es unter den Bedingungen des § 45 Abs. 7 SGB III ein festes Recht (Rechtsanspruch).
Vermittlungshemmnis
Was dich gerade bremst: eine lange Lücke im Lebenslauf, ein unklares Profil, ein Branchenwechsel. Nach § 45 Abs. 1 Nr. 1 SGB III kann ein Coaching helfen, solche Hindernisse zu erkennen und abzubauen.
Ermessensleistung
Das Amt darf Ja oder Nein sagen. Es muss dabei deinen Fall ansehen und seine Entscheidung begründen. Das Coaching mit Gutschein ist so eine Leistung. Deshalb zählt deine Begründung und nicht ein Anspruch.
Kooperationsplan
Dein Plan mit dem Jobcenter, wenn du Grundsicherung (früher Bürgergeld) bekommst. Geregelt ist er in § 15 SGB II. Er hat die Eingliederungsvereinbarung abgelöst, wird gemeinsam mit dir erstellt und nennt Ziele, was du selbst tust und welche Hilfen dazu passen.
Potenzialanalyse
Die Klärung, wo du stehst und was du kannst. Das Jobcenter stellt nach § 15 SGB II fest, was du mitbringst, wo deine Stärken liegen und was dich bremst. Daraus entsteht dein Plan mit dem Amt.
Bildungsgutschein
Der andere Gutschein, nach § 81 SGB III. Er bezahlt Kurse mit Abschluss, zum Beispiel Umschulungen, Qualifizierungen und Teilqualifikationen. Der AVGS ist kein Bildungsgutschein. Er bezahlt ein Coaching, keine Umschulung und keinen Abschluss.
Unterbeschäftigung
Eine Kennzahl der Bundesagentur, die neben den gemeldeten Arbeitslosen auch Menschen mitzählt, die gerade in einem Coaching oder einer Weiterbildung sind. Sie liegt deshalb über der Arbeitslosenzahl und zeigt, wie viele wirklich suchen.
Unterrichtseinheit (UE)
Die Einheit, in der der Umfang eines Coachings angegeben wird: 45 Minuten. 100 Einheiten à 45 Minuten sind rund 75 Stunden. Das ist deutlich mehr als ein Beratungsgespräch. Der Umfang steht auf dem Angebot.
Sperrzeit
Eine Zeit ohne Arbeitslosengeld. Sie droht zum Beispiel, wenn du dich zu spät gemeldet oder deinen Job ohne wichtigen Grund selbst beendet hast. Sie betrifft das Arbeitslosengeld, nicht den Gutschein. Aber sie ist der Grund, warum du die Frist aus § 38 SGB III ernst nehmen solltest.
Widerspruch
So wehrst du dich gegen einen Bescheid, also einen Brief vom Amt. Sagt das Amt Nein zum Gutschein, hast du dafür einen Monat ab dem Brief Zeit (§ 84 SGG). Das Verfahren in Sozialsachen kostet keine Gebühren.
Deine Fragen
Wo finde ich diese Wörter im Gesetz?
Der AVGS steht in § 45 SGB III, der Bildungsgutschein in § 81 SGB III, Kooperationsplan und Potenzialanalyse in § 15 SGB II, die Zuständigkeit des Jobcenters in § 16 SGB II und die Frist für den Widerspruch in § 84 SGG. Alle kannst du bei gesetze-im-internet.de frei nachlesen.
Was ist der Unterschied zwischen Träger- und Maßnahmenummer?
Die Trägernummer gehört zum Anbieter, die Maßnahmenummer zum einzelnen zugelassenen Coaching. Ein Anbieter hat eine Trägernummer und je nach Angebot mehrere Maßnahmenummern. Beide gehören auf das Angebot, das du mit zum Amt nimmst.
Warum heißt es Ermessen und nicht Anspruch?
Weil das Amt entscheiden darf, ob es bezahlt. Es muss dabei deinen Fall ansehen und seine Entscheidung begründen. Ein festes Recht gibt es beim AVGS nur nach § 45 Abs. 7 SGB III, und zwar nur für die private Arbeitsvermittlung.
Was bedeuten MAT und MPAV auf meinem Gutschein?
MAT steht für Maßnahme bei einem Träger. Dann löst du den Gutschein bei einem zugelassenen Anbieter ein, etwa für ein Coaching. MPAV steht für Maßnahme bei einem privaten Arbeitsvermittler. Dann sucht ein privater Vermittler mit dir nach einer Stelle. Die Abkürzung zeigt also, wo du den Gutschein einlösen kannst.
Weiterlesen
Das Amt entscheidet. Ich bereite dich vor.
Ob du den Gutschein bekommst, entscheidet allein die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter. Ein Ja im Voraus kann dir niemand geben.
Was ich tun kann: mit dir schauen, ob es passt, und dir die Unterlagen für den Termin schreiben.
Fester Job, keine Kündigung und kein Geld vom Amt? Dann gibt es den Gutschein nicht. Das sage ich dir lieber gleich.
Der erste Schritt dauert zwei Minuten.
Sag mir, wo du stehst. Wenn du möchtest, rufe ich dich an, ehrlich und ohne Druck. Für dich kostet das nichts. Du musst da nicht allein durch.
Ob du den Gutschein bekommst, entscheidet allein die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter. Dein AVGS ist kein Amt und arbeitet unabhängig.
Was das Amt für dich bezahlen kann
Die Hilfen auf einen Blick. Zu jeder: wer zahlt und woran es hängt.
- Ein Coach nur für dich. Kann über den Gutschein vom Amt bezahlt werden.
- Geld für Bewerbungen. Fotos, Führungszeugnis, Übersetzungen: Das Amt kann Kosten übernehmen.
- Fahrt zum Vorstellungsgespräch. Bus, Bahn oder Auto: Das Amt kann die Kosten übernehmen.
- Führerschein, im Einzelfall. Wenn du ihn für eine bestimmte Stelle brauchst und kein Bus fährt.
- Weiterbildung oder Umschulung. Mit dem Bildungsgutschein, beim Berufsabschluss sogar mit Anspruch.
Die Liste kommt von Dein AVGS (Daniel Kuhlen, deinavgs.de), nicht vom Amt. Ob du eine Hilfe bekommst, entscheidet allein die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter. Dein AVGS ist kein Amt und arbeitet unabhängig.