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Was ist ein AVGS?

Ein Gutschein, mit dem die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter eine Maßnahme vollständig bezahlt — meistens ein Einzelcoaching. Hier steht, was rechtlich dahintersteht, welche vier Varianten es gibt und wo der Gutschein an seine Grenze kommt.

Stand: 2. September 2026. Rechtsgrundlagen: § 45 SGB III, § 16 SGB II, § 81 SGB III. Geschrieben von Daniel Kuhlen — wer das ist und wovon er lebt.

AVGS ist die Abkürzung für Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein. Rechtsgrundlage ist § 45 SGB III — die Vorschrift über Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung. Der Gutschein bescheinigt, dass die Fördervoraussetzungen vorliegen, und berechtigt dazu, sich einen zugelassenen Anbieter selbst auszusuchen.

Für die geförderte Person ist die Maßnahme kostenlos. Der Träger rechnet direkt mit dem Amt ab. Es gibt keinen Eigenanteil, keine Vorkasse und keine Ratenzahlung.

§ 45 Abs. 4 SGB III — Die Agentur für Arbeit stellt den Gutschein aus. Er kann zeitlich befristet und regional beschränkt werden und berechtigt zur Auswahl unter den zugelassenen Trägern. In der Praxis sind drei Monate Gültigkeit üblich.

Die vier Varianten

§ 45 Abs. 1 SGB III nennt mehrere Maßnahmeziele. Vier davon sind in der Praxis relevant — und sie unterscheiden sich deutlich in dem, was danach passiert:

VarianteZiel laut GesetzWas das heißt
Nr. 1 — Aktivierung
oft „AVGS MAT“
Heranführung an den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, Feststellung, Verringerung oder Beseitigung von VermittlungshemmnissenDer Normalfall für ein Bewerbungs- und Karrierecoaching. Einzeln oder in Gruppen, bei einem zugelassenen Träger.
Nr. 3 — Vermittlung
„AVGS MPAV“
Vermittlung in eine versicherungspflichtige BeschäftigungPrivate Arbeitsvermittlung. Der Vermittler wird erst bezahlt, wenn tatsächlich ein Job zustande kommt.
Nr. 4 — GründungHeranführung an eine selbständige TätigkeitGründungscoaching. Der Weg für alle, die sich selbstständig machen wollen.
Nr. 5 — StabilisierungStabilisierung einer BeschäftigungsaufnahmeBegleitung in den ersten Monaten eines neuen Jobs, damit er hält.

Nummer 2 ist weggefallen. Die Kürzel MAT und MPAV stehen für „Maßnahme bei einem Träger“ und „Maßnahme private Arbeitsvermittlung“ und tauchen auf dem Gutschein selbst auf.

Wer den Gutschein bekommen kann

Wo der AVGS nicht greift

Ungekündigt beschäftigt. Wer einen unbefristeten Job ohne Kündigung hat, gehört nicht zum förderfähigen Personenkreis. Kein seriöser Anbieter kann daran etwas ändern.

Weiterbildung mit Abschluss. Umschulungen und zertifizierte Qualifizierungen laufen nicht über den AVGS, sondern über den Bildungsgutschein nach § 81 SGB III. Der Unterschied kostet Monate, wenn man ihn zu spät bemerkt — siehe AVGS oder Bildungsgutschein.

Ein Anspruch auf Coaching. Den gibt es nicht. Der Rechtsanspruch aus § 45 Abs. 7 SGB III betrifft ausschließlich die private Arbeitsvermittlung. Alles andere entscheidet die Vermittlungsfachkraft nach Ermessen.

Was der Gutschein wert ist

Für die Variante private Arbeitsvermittlung nennt das Gesetz konkrete Beträge: nach § 45 Abs. 6 SGB III 2.500 Euro bei erfolgreicher Vermittlung in eine versicherungspflichtige Beschäftigung, bei Langzeitarbeitslosen bis zu 3.000 Euro. Ausgezahlt wird in zwei Stufen: 1.250 Euro nach sechs Wochen Beschäftigung, der Rest nach sechs Monaten.

Für Coaching-Maßnahmen nach Nr. 1 und Nr. 4 gibt es keinen gesetzlichen Festbetrag — dort ergibt sich der Wert aus der zugelassenen Maßnahme und ihrer Dauer. Sichtbar wird er auf dem Maßnahmeangebot des Trägers, das dem Antrag beiliegt.

Häufige Fragen

Was bedeutet die Abkürzung AVGS?

AVGS steht für Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein. Er beruht auf § 45 SGB III, den Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung. Umgangssprachlich heißt er auch Aktivierungsgutschein oder — in der Variante für private Arbeitsvermittlung — Vermittlungsgutschein.

Was kostet ein AVGS?

Für die geförderte Person nichts. Der Gutschein deckt die Kosten der Maßnahme vollständig ab; es gibt keinen Eigenanteil und keine Vorkasse. Der zugelassene Träger rechnet direkt mit der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter ab. Wer für ein AVGS-Coaching Geld verlangt, handelt nicht regelkonform.

Wie lange ist ein AVGS gültig?

Der Gutschein wird nach § 45 Abs. 4 SGB III zeitlich befristet und kann regional beschränkt werden. In der Praxis sind drei Monate üblich. Wird er in dieser Frist nicht bei einem zugelassenen Träger eingelöst, verfällt er und muss neu beantragt werden.

Habe ich einen Rechtsanspruch auf einen AVGS?

Nur in einem Fall: Nach § 45 Abs. 7 SGB III besteht ein Rechtsanspruch auf einen Gutschein für eine ausschließlich erfolgsbezogen vergütete Arbeitsvermittlung, wenn eine sechswöchige Arbeitslosigkeit innerhalb von drei Monaten vorliegt und keine Vermittlung erfolgt ist. Ein Coaching bei einem Bildungsträger ist davon nicht erfasst — das bleibt eine Ermessensentscheidung der Vermittlungsfachkraft.

Bekomme ich einen AVGS auch beim Jobcenter?

Ja. Das Jobcenter erbringt nach § 16 Abs. 1 SGB II auch Leistungen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung nach dem SGB III. Für Bürgergeld-Beziehende gilt also derselbe Weg, nur ist die zuständige Stelle das Jobcenter statt der Agentur für Arbeit.

Wer darf einen AVGS einlösen?

Nur Träger und Maßnahmen, die nach der AZAV zugelassen sind. Die Zulassung erteilt eine fachkundige Stelle, nicht der Träger selbst. Jede zugelassene Maßnahme trägt eine Maßnahmenummer, jeder Träger eine Trägernummer — beide stehen auf dem Angebot, das beim Amt vorgelegt wird.

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